Hab ich sicherlich schon. War heute in zwei Gottesdiensten, in der Woche vier. Durchschnittlich sind es pro Woche ein oder zwei, mit noch ein paar Andachten, meistens durch die Arbeit, doch auch gerne mal so. Muss halt nicht immer Sonntag morgens sein. Interessant, wie leicht sich das jedoch in den Alltag hier integrieren lässt. Weil es ja Job ist. Unter anderem.
Elternbesuch. Nach langem Hin- und Hergeschiebe und einem verknacksten Rücken sind meine Eltern am Freitag mit dem Wohnmobil hergefahren, bei strahlendstem Mistwetter. Nach Auto abstellen hier auf dem Gemeindeparkplatz und großem Hallo durften sie sich „meine erste eigene Wohnung“ angucken, wie meine Mama sich ehrfürchtig ausdrückte. Ja die Kinder werden groß. Neben meiner Gitarre (wohooo endlich) und Kleinzeugs hatten sie mir viel zu essen, ich verhunger ja hier, und, sehr schön, auch ganz viel Weihnachtsschmuck und einen Adventskalender mitgebracht. Es ist ja schon schließlich erster Advent. Unfassbar. Nach Königsberger Klöpsen kamen sie dann mit ins Gemeindehaus, wo wir eine außerplanmäßige Krippenspielprobe hatten. Dienstag ist die erste Vorstellung und wir hatten noch nicht mal den Ansatz einer Durchlaufprobe :D sehr chaotisch, aber natürlich haben alle die Ruhe weg. Ich bekam das erste Mal mein Jesuskind, eine wirklich hässliche Stoffpuppe, im Strampelanzug und mit nem Berg Haaren auf dem Kopf. Sehr realistisch.
Meine Eltern schauten zu und lasen in meinem Skript mit. Beide haben an der VHS ein bisschen schwedisch gelernt, meine Mutter sogar recht lange und mein Vater spricht ein bisschen dänisch, so dass beide stolz hinterher verkündeten, wirklich was verstanden zu haben. Nebenbei sahen sie so auch das Gemeindehaus und trafen fast alle Hauptamtlichen, mit denen ich arbeite. Leider musste ich dann direkt weiterarbeiten, es stand Kraftstationen auf dem Programm. Zum Glück ist das hier ja zum großen Teil kein Problem, meinen Besuch immer mitzuschleppen. Was ich auch tue. Und der sich selten beschwert ;) Also fuhren wir mit Gertrud in die St.Pauli Kirche. Ung mässa (Jugendgottesdienst) mit dem Thema „Jesus Christ Superstar“, das im Moment hier im Konzerthaus gespielt wird (und was ich hoffentlich noch zu sehen
kriege). Es wurde sehr voll, das Thema zog viele, auch dieses Mal viele Ältere, an, denn es gab exzellente Livemusik mit zwei tollen Sängern und unseren altbekannten Musikern, die immer in der Ungmässa spielen, doch außerdem war auch der Regisseur vom Konzerthaus da und hat quasi eine Reflektion zum Thema gegeben. Sehr interessant. Außerdem hatten eine vorfreudige Claudia und ein nervöser Ki
lian ihre Premiere beim Abendmahl austeilen. Nach dem Gottesdienst ging es rüber in die Kraftstationen zu ner Tasse Kaffee und eigentlich arbeiten. Doch da wir fast zu viele da waren zum helfen, saß ich mit meinen Eltern und Kilian in der Ecke und haben uns unterhalten. Nils entließ mich schon um halb zehn und so konnten wir noch in der Stadt nett zu Abend essen.
Am offiziellen „Kauf-Nix-Tag“, wie es in meinem Kalender steht, machten wir natürlich einen Stadtbummel und schauten den Schmückvorbereitungen in der Fußgängerzone zu. Nach ein paar elterngesponserten Einkäufen wurde am Turning Torso gefikat, mit Blick auf den vernebelten und verregneten Öresund. Meine Eltern als alte Segler hatten natürlich eher Spaß am Wetter und deshalb war es sehr lustig. Abends war es halbwegs trocken und der Glögg auf dem „Weihnachtsmarkt“ (ähm moment….oh zehn Buden in einer Reihe^^) wärmte dann schön. Die „Juleknackwurst“ haben wir dann aber nicht gegessen :-P
Claudia war mit Kilian und Grit nach Kopenhagen zum Feiern gefahren, deshalb waren wir abends allein in der Wohnung zu einem ruhigen Abend. Ich *piiiepte* (Weihnachten kommt ;) ) und meine Eltern hatten ihren Spaß am schwedischen Fernsehen. Die zweite Nacht schliefen sie in der Wohnung, da das Auto den ganzen Tag nicht bewegt worden war und so der Batterie nicht mehr ganz zu vertrauen war…
Am Sonntag, heute morgen, stand ein großes Event bei uns an, das dann doch nicht so groß war, wie es klang. Unser neuer Kyrkoherde, Gemeindechef quasi, wurde mit Festgottesdienst und anschließender Tortenfika eingeführt. Kenth ist seit Juni hier, also ich kenne nur ihn als Kyrkoherde. Und nach dem zwei Stunden langen Gottesdienst wusste ich auch, warum mir alle gesagt haben, ich sollte nicht in unserem Kirchenchor singen…Charlotte war froh mal meine Eltern zu treffen, obwohl diese dann früh am Nachmittag wieder fuhren und dann auch für mich einiges *piep* mit nach Deutschland nahmen…
War ein sehr nettes Wochenende mit ihnen und wie meine Mama sagte, „jetzt weiß man, wo das Kind rumläuft – jetzt bin ich beruhigt“. Sie haben meine Gemeinde gesehen, die Kraftstationen, die Kirche und so gut wie alle Menschen getroffen, mit denen ich hier arbeite. Ist doch super.
Vorhin traf ich mich mit Claudia und Grit am Gustav Adolfs Torg, es war „Ljuständning“ (Lichtanzündung) zum Einläuten in die Adventszeit mit Musikprogramm auf ner großen Bühne und vielen Fackeln und Lichtern. Außerdem wurde die offzielle Malmö-Lucia vorgestellte, Alexandra irgendwas. Von wegen blond. Sie als Lichterkönigin zieht mit ihren Sternsängern im Advent nun durch Malmös Kranken- und Geschäftshäuser und bringt das Licht in die Dunkelheit. Ach ich liebe den Kitsch der Schweden. Wir haben von dem ganzen Spektakel jedoch nicht allzu viel mitbekommen, denn es gab viel zu bereden, Grit w
ar in Kopenhagen nicht nur bei den Volontären gewesen…Andreas ist sein Name ;) Danach fuhr ich mit meiner rosa Mitbwohnerin zu Kilian und dann in die S:t Matteus Kyrka zu einer Regenbogsmässa. Mal was anderes in einer modernen Kirche und am Abend….mein vierter Gottesdienst dieser Woche. In der Kirche wird übrigens auch unser Chorkonzert stattfinden. Man sei gespannt.
Ach und einen schönen ersten Advent! Oder wie Claudia heute immer rumgesprungen ist: Happy New Kirchenjahr!





